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life Dresden – Prag

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Nun also der angekündigte und etwas längere Reisebericht unserer Radtour nach Prag.

Kurz die Fakten:
- zwei Übersportler
- Dresden – Prag (~220km)
- ein 5-Gang Tandem (Croozer)
- eine Fahrradtasche (~8kg)
- ein Wanderrucksack (~25kg)

Dresden – Pirna
Los gings am Freitag um 6.45 Uhr vor Franks Hütte. Dann quer durch die Stadt bis zum ersehnten Elbufer. Von hier trennten wir uns nicht mehr von der Elbe, bzw. dann später der Moldau.
Das Pirna zu unserem ersten Stop werden würde, war meinem Wanderrucksack geschuldert, der neu arrangiert werden wollte. Die Strecke bis hierhin war echt top. Super Belag, hoher Speed. So konnte es weitergehen.

Pirna – Schmilka
Unsere zweite Etappe führte uns von Pirna bis an die Grenze, an der wir mit der Fähre wieder mal die Elbseite wechseln mussten. Da wir auf die Fähre warten mussten, ergab sich hier schon die erste Gelegenheit ins Brötchen zu beißen. Für diese ersten 60km (Dresden – Schmilka) brauchten wir 2,5h, was mit nem Tandem durchaus nicht schlecht ist (Schnitt von 24km/h). Besonders wenn man bedenkt, dass es auf dieser Etappe bereits die ersten Anstiege gibt. Auf einem normalen Fahrrad nix besonderes potenzieren sich auf einem Tandem die Probleme. Zum einen sind es nur 5 Gänge und zum anderen sind es 2 Menschen, die auf einem Rad sitzen. Das macht die Koordination sehr schwer und zieht die Reisegeschwindigkeit mächtig in den Keller.

Schmilka – Usti nad Labem
Der Weg von Schmilka aus führte uns auf einem wunderbaren Weg (gut zu fahren) bis nach Decin. Und hier der erste Schock. Gestank, Industrie, Sowjetruinen. Extrem auffällig war die Tatsache, dass sich die Industrie inmitten der Stadt befindet. In Anlehung an Huhn und Ei muss man sich hier echt fragen was zuerst da war, die Industrie oder die Stadt? Da Decin also nicht sonderlich reizvoll wirkte, machten wir gleich bis Usti durch. Ab dieser Strecke begann dann auch mein rechtes Knie sich durch kontinuierliche Stiche bemerkbar zu machen. Im Umkehrschluss hieß das natürlich, dass ich Frank von meiner hinteren Heizer-Position (so heißt das wirklich) nur noch zum Teil helfen konnte. Aber ich gab mein bestes und hielt bis Prag durch. :)
Usti lieferte ein ähnliche Bild wie Decin, Industrie und Aufbruchstimmung. Da die Hälfte der Strecke hier aber fast geschafft war und sich die Mittagszeit näherte, entschlossen wir uns vor der malerischen Stadtkulisse unsere Masterpause einzulegen. Begleitet von Presslufthämmern und viel Tatü-Tata sinnierten wir über unsere Ankunftszeit und waren der Meinung es bis 18-19 Uhr nach Prag zu schaffen. Dachten wir jedenfalls. ;)

Usti – Litomerice
Diese Etappe bot die wohl schönsten Streckenabschnitte. Wenn die Elbe ein paar Wendungen macht, sehr breit wird und somit den Eindruck erweckt ein stehendes Gewässer zu sein, dann wurde es richtig schön. Dazu kam die fast idyllische Ruhe, die nur ab und zu von einem vorbeifahrenden Zug gestört wurde. Kleine Randnotiz: Fern aller Behauptungen erhebe ich von nun an Angeln zum tschechischen Nationalsport.

Litomerice – Melnik
Kurz nach Litomerice wurde uns schlagartig klar, was wir beide total unterschätzt hatten: Feldwege. Und zwar in ihrer natürlichsten und reinsten Form. Dem gemeinen Radler ergibt sich hier die Möglichkeit des Aufstehens, sofern keine Dämpfungseinrichtung am Rad vorhanden ist. Da unser Tandem nicht gedämpft war, und man auf einem solchen Gerät auch nicht ohne weiteres Aufstehen kann, ergab sich hier der von uns ironisch getaufte “Abenteuerfaktor”.
Noch mal kurz zur Erklärung. Ein Tandem bietet mindestens 2 Fahrern Platz. Daraus ergibt sich der Vorteil, dass sich die Fahrer einen Antrieb teilen. Auf diese Weise kann eine höhere Geschwindigkeit erreicht werden und die Erschöpfung tritt nicht so schnell auf. Als Konsequenz daraus muss ein solches Gefährt aber auch mehr abkönnen, was besonders die Reifen angeht, womit wir wieder beim Thema wären. Durch die nichtvorhandene Dämpfung und die hochdruckbefüllten Reifen findet eine direkte ungefederte Weitergabe der Streckenbeschaffenheit an den Anus und den Rücken statt. Und genau das ist das blöde an Feldwegen, besonders wenn es deinem A***** eh schon nicht mehr soo gut geht. Auf dieser Strecke liegt ebenfalls ein AKW-ähnliches Kraftwerk. Ob es auch eines ist, wurde noch nicht geklärt.

Melnik – Prag
Die Zwischenetappe Melnik – Kralupny gestaltete sich am Anfang wieder durch eine Vielzahl an schlecht befahrbaren Feldwegen und einem Transport des Tandems (2,4m lang) über die Moldau mittels Wendeltreppe. Versöhnlich stimmte dagegen der Rest bis nach Kralupny durch einen betonierten Weg, auf dem wieder gut Strecke gemacht werden konnte. Zum Zeitpunkt der Durchfahrt durch Kralupny wurde es allerdings schon dunkel und die Uhr zeigte kurz vor 8.
Der Schlussakkord von Kralupny nach Prag sollte auch gleichzeitig der schlimmste werden. Es fing erst alles ganz harmlos an, denn es schien so, als ob der laut Karte geplante Abschnitt bereits fertig war. Folglich konnten wir auf den ersten Kilometern auch gut Strecke machen, bis wir an unser verhängnisvollstes Schild gelangten. Wir folgten diesem Schild augenscheinlich Richtung Prag und fanden uns wenig später im Dickicht wieder. Mittlerweile war es stockfinster geworden und die Strecke musste von mir von hinten nach vorne mit meiner Taschenlampe (MagLite© vor President!) ausgeleuchtet werden. Allerdings hatte das keinen Sinn, denn der Weg wurde stellenweise 50cm breit und 10cm weiter rechts gings 5m in den Fluss. Also war ab hier laufen angesagt. Für uns war das der schlimmste Teil der Strecke, denn wir wussten weder ob wir richtig waren, noch wie lange das so anhalten würde. Nach schier endlos vorkommenden Kilometern schafften wir es wieder in die Zivilisation und fanden auch so gleich ein Schild mit “Praha 13km”. Es wartete also noch eine gute Strecke auf uns. Diese teilte sich in wunderbare befahrbare Abschnitte und Feldwege (bei Nacht!!!).
Und so erreichten wir gegen 23Uhr das Zentrum von Prag. Nach 16 Stunden Fahrt.
Jetzt musste noch ein Hostel gefunden werden, was sich bewerkstelligen ließ und dann lagen wir um 2Uhr im Bett.
Selbst im Bett liegend hatte ich das Gefühl meine Beine, meine Arme, einfach mein ganzer Körper bewegte sich weiter. :)

Prag
An unserem Tag in Prag sind wir die ganze Zeit durch Prag gelaufen und haben viel gesehen. Alles schafft man natürlich nicht, aber wir waren ja auch nur ein Tag da. Als Krönung haben wir dann am Samstag Abend bereits den von Tim Burton produzierten Film “9” gesehen (Original mit ceske titulky), der hier in Deutschland noch nicht mal nen Veröffentlichungstermin hat. Und das ganze für 4,40EUR. Nicht schlecht, wa?

Rückfahrt
Zug. Mehr muss ich glaub ich nicht sagen. ;)

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