film → Groß, ganz groß!
Lange musste ich warten, jetzt bot sich mir die Gelegenheit. Ich konnte die Romanverfilmung “Der Junge im gestreiften Pyjama” sehen. Eigentlich müsste ich dazu nix mehr sagen, der Titel des Artikels sagt es schon. Großes, ganz großes Charakter- und Gefühlskino.
In Deutschland kam er im Mai in die Kinos und lief dann aber, zumindest hier in DD, nur eine Woche in kleineren oder Programmkinos. Auf der einen Seite ist das Schade, denn so blieb dieser sehr gute Film einem breiten Publikum verwehrt. Auf der anderen Seite war das Zeigen in kleineren Kinos wohl die beste Wahl, denn so kann er gezielt Publikum ansprechen und es läuft keiner Gefahr sich diesen Film anzusehen, obwohl ihm die Thematik nicht liegt oder er sie nicht versteht.
Kurz zum Inhalt: Der kleine Bruno muss mit seiner Familie von Berlin aufs Land ziehen, weil sein Vater (ein SS-Mann) einen neuen Job hat. Natürlich macht ihm das keinen Spaß und so erkundet er die Gegend und findet einen gleichaltrigen Jungen hinter einem Stacheldrahtzaun. Allerdings weiß er nicht was das alles zu bedeuten hat und freundet sich mit dem Jungen auf der anderen Seite an. Dass das Ganze in einem gefühlsmäßigen Herzschlagfinale endet, muss ich hier wohl keinem erklären.
Der Zuschauer merkt natürlich sofort, welcher Tätigkeit der Vater nachgeht und bekommt nun zu sehen, wie dieser kleine naive Junge das große Ganze überhaupt nicht überschauen kann. Dabei verzichtet der Regisseur bewusst auf explizite Bilder. Die Gewalt muss nicht gezeigt werden, denn jeder weiß was da gespielt wird. Er hält es da wie Hitchcock: Dem Menschen macht das am meisten Angst, was er nicht sieht. Werden beispielsweise Rauchschwaden am Himmel gezeigt, weiß jeder sofort was gemeint ist, denn die Bilder sind in allen Köpfen vorhanden (oder sollten es zumindest sein) und brauchen nur noch abgerufen zu werden. Kopfkino par excellence.
Am einprägensten fand ich das Schlußbild und den wohl längsten fade-out (Blende ins Schwarze) meiner Filmgeschichte.
Der Soundtrack kommt vom bekannten James Horner, der es sehr gut versteht die Geschichte mit präzisen Stimmungen zu untermalen. Die gewählten sanften Klavierstücke passen hervorragend. Nur gegen Ende wird die musikalische Schraube orchestral angezogen. Eine ausgezeichnete Arbeit.
Wer der schweren Thematik also etwas abgewinnen und auf sich wirken lassen kann, sei dieser Film wärmstens empfohlen. Seit gestern auf DVD.